EcoVadis Wirtschaftlichkeit Praxis

Nachhaltigkeit, die rechnet: Was sie kostet und wo sie wirklich einspart

Nachhaltigkeit gilt im Mittelstand oft als Kostentreiber. In den Mandaten, die wir betreuen, ist es meist umgekehrt. Drei Bereiche, in denen sich der Aufwand erfahrungsgemäß amortisiert.

Tim Keiler
Tim Keiler 5 Min. Lesezeit

In jedem zweiten Erstgespräch hören wir den gleichen Satz: „Im Prinzip sehen wir die Notwendigkeit, aber die Kosten dafür haben wir aktuell nicht im Budget.” Verständlich, und meistens auf einem falschen Bild von Nachhaltigkeit aufgebaut.

Die Vorstellung, Nachhaltigkeit sei eine reine Pflichtübung mit Kosten, aber ohne Ertrag, hält sich hartnäckig. In der Praxis sehen wir das anders. Wer das Thema ernsthaft angeht (mit Methodik, nicht mit Schaufenster-Maßnahmen), findet schnell drei Bereiche, in denen Nachhaltigkeit operativ Geld spart, statt es zu kosten.

Bereich 1: Energie und Ressourcen

Der unspektakulärste, aber wirksamste Hebel. Wer systematisch durchgeht, wo Energie verbraucht wird und wo sie verschwendet wird, findet fast immer Einsparpotenziale im zweistelligen Prozentbereich.

Drei konkrete Beispiele aus laufenden Mandaten:

  • Ein Maschinenbauunternehmen reduzierte seinen Stromverbrauch um etwa 22 % durch eine Druckluft-Leckage-Analyse und Lastmanagement der Trocknungsanlagen. Amortisation der Investition in unter 14 Monaten.
  • Ein Lebensmittelproduzent senkte den Wärmeverbrauch um knapp 18 %, indem Wärmerückgewinnung aus Kältekreisläufen sauber dokumentiert und ausgebaut wurde.
  • Ein Logistikbetrieb verringerte den Kraftstoffverbrauch um etwa 9 % durch ein Fahrer-Schulungs- und Routenoptimierungsprogramm.

Alle drei Maßnahmen sind EcoVadis-relevant. Alle drei rechnen sich vor dem ersten Bewertungsergebnis.

Bereich 2: Materialeffizienz und Abfallvermeidung

Ein häufig unterschätzter Bereich, weil Abfall in der Buchhaltung selten als eigene Kostenposition geführt wird. Wer ihn aber durchrechnet (Entsorgungskosten + ungenutztes Material + Wiederbeschaffung + Lagerfläche), kommt oft auf substanzielle Beträge.

Was sich in der Praxis bewährt hat:

  • Materialbilanzen pro Produktlinie. Wo entsteht der Verschnitt? Lässt er sich reduzieren? Lässt er sich wiederverwerten?
  • Rücknahme- und Mehrweg-Konzepte. Bei Verpackungen sehr oft sinnvoll, gerade im B2B-Geschäft mit wiederkehrenden Lieferungen.
  • Lieferanten-Konsolidierung. Wer von 40 auf 25 Lieferanten reduziert, spart nicht nur in der Verwaltung. Die EcoVadis-Lieferantenbewertung wird ebenfalls deutlich einfacher.

Bereich 3: Vertriebs-Wirksamkeit

Der Hebel, den niemand offen ausspricht, der aber bei mittelständischen Zulieferern den größten Effekt hat: Aufträge, die ohne EcoVadis-Score gar nicht erst zustande gekommen wären.

Beispiele aus den letzten 12 Monaten:

  • Ein Maschinenbau-Zulieferer wurde nach Erreichen des „Silver”-Niveaus auf eine Bieterliste aufgenommen, von der er zuvor zwei Jahre lang ausgeschlossen war. Der erste Auftrag aus dieser Liste hatte ein Volumen, das die gesamte Beratung um den Faktor 30 überstieg.
  • Ein Chemieunternehmen verteidigte einen Rahmenvertrag mit einem DAX-Konzern, der explizit an die Verbesserung des Scores gekoppelt war.

Solche Effekte erscheinen in keiner GuV als „Ergebnis Nachhaltigkeit”. Sie laufen unter „Umsatz”. Aber sie wären ohne die Bewertung nicht entstanden.

Was die Bewertung selbst kostet

Realistisch eingeordnet:

  • Interne Eigenleistung: Wer die EcoVadis-Einreichung selbst macht, investiert je nach Vorbereitungsstand zwischen 40 und 120 Stunden interner Arbeit. Plus Lernkurve in der Methodik, plus Korrekturen in der nächsten Bewertungsrunde.
  • Externe Begleitung: Eine vollständige EcoVadis-Begleitung liegt erfahrungsgemäß im niedrigen fünfstelligen Bereich. Davon abzuziehen sind ggf. BAFA-Förderungen für kleinere und mittlere Unternehmen. Das senkt die Netto-Investition oft erheblich.

In beiden Fällen ist die Frage nicht „Was kostet es?”, sondern „Wie schnell amortisiert es sich?”. Die Antwort hängt vor allem davon ab, wie viel Großkunden-Umsatz von einer guten Bewertung abhängt.

Wann sich der Schritt rechnet, und wann nicht

Eine ehrliche Einschätzung: Nicht für jeden Mittelständler ist eine EcoVadis-Bewertung wirtschaftlich sinnvoll. Wenn keine Großkunden danach fragen und keine Ausschreibungen sie verlangen, ist die Investition nicht zwingend gerechtfertigt.

Aber: Wenn auch nur ein einzelner Großkunde die Bewertung fordert, ist die Frage in der Regel binär. Entweder Sie haben sie, oder Sie fallen aus der Lieferanten-Liste. In diesem Fall ist „rechnet es sich?” die falsche Frage. Die richtige lautet: „Wie effizient kommen wir dorthin?”.

Im kostenlosen Erstgespräch klären wir genau das, mit Ihrer konkreten Auftragsstruktur, nicht mit Beispielen.

Tim Keiler

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Tim Keiler

Geschäftsführer

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