Wer den Lebensmitteleinzelhandel beliefert, kennt den Mechanismus: Große Handelsketten setzen Nachhaltigkeitsanforderungen und reichen sie an ihre Lieferanten durch, häufig über eine EcoVadis-Bewertung. Für Hersteller, Verarbeiter und Verpacker in der Food-Kette wird das Rating damit zur Listungsvoraussetzung. Was der Handel erwartet und wo die Branche steht.
Warum gerade der Handel so konsequent fordert
Lebensmittelketten stehen unter besonderer öffentlicher und regulatorischer Beobachtung: bei Lieferketten, Verpackung, Tierwohl, Klima. Ihre eigenen Nachhaltigkeitsversprechen können sie nur halten, wenn die Lieferanten mitziehen. EcoVadis ist für den Handel das skalierbare Werkzeug, um tausende Lieferanten vergleichbar zu bewerten. Für den Zulieferer heißt das: ohne Bewertung droht im Zweifel die Auslistung.
Wo Lebensmittel-Zulieferer punkten
Die Branche bringt für mehrere Themenfelder gute Substanz mit, sie ist nur selten EcoVadis-gerecht aufbereitet:
- Lebensmittelsicherheit und Qualität (IFS, BRCGS, ISO 22000): etablierte, dokumentierte Systeme, die sich teilweise auf Management- und Umweltanforderungen übertragen lassen.
- Hohe Prozessdisziplin und Hygiene: zahlt auf Arbeitsschutz und Managementsysteme ein.
- Bestehende Lieferanten-Audits: Wer Rohstoffe einkauft und Lieferanten prüft, hat im Feld „Nachhaltige Beschaffung” einen Vorsprung. Gerade hier entscheidet sich oft Bronze gegen Silber.
Welche dieser Felder in der Food-Branche am schwersten wiegen, hängt von der EcoVadis-Branchengewichtung ab: Nachhaltige Beschaffung und Umwelt tragen hier überdurchschnittlich viel.
Wo die Branche typischerweise verliert
- Verpackung und Abfall nur als Maßnahme, nicht als messbares Ziel mit Kennzahl dargestellt.
- Energie- und Emissionsdaten (Kühlung, Produktion) ohne saubere Bilanzierungsmethodik, ein häufiger Punktverlust im Umweltfeld.
- Lieferketten-Risiken (Rohstoffherkunft, faire Beschaffung) gelebt, aber nicht als Richtlinie + Risikoanalyse dokumentiert.
- Food-Zertifikate nicht „übersetzt”: Ein IFS-Zertifikat punktet nicht automatisch: es muss der passenden EcoVadis-Anforderung zugeordnet und belegt werden.
Die Logik dahinter (belegbare Nachweise statt Behauptungen) gilt branchenübergreifend; wir haben sie in „EcoVadis-Score verbessern” im Detail beschrieben.
Regulatorischer Rückenwind (und Druck)
Für Food-Lieferanten kommen Themen wie die EU-Entwaldungsverordnung (Rohstoffe wie Kakao, Kaffee, Soja, Palmöl) und Verpackungsregulierung hinzu: Anforderungen, die ohnehin bearbeitet werden müssen und sich mit der EcoVadis-Vorbereitung bündeln lassen. Was die EUDR konkret verlangt, haben wir hier eingeordnet. Wer beides zusammen denkt, spart doppelte Arbeit.
Fazit für die Food-Kette
Lebensmittel-Zulieferer unterschätzen oft, wie viel ihrer vorhandenen Qualitäts- und Sicherheitssubstanz direkt in EcoVadis-Punkte übersetzbar ist. Die Kunst liegt nicht im „mehr tun”, sondern im richtigen Zuordnen und Belegen, und darin, die regulatorischen Pflichten gleich mitzunehmen.
Sie beliefern den Handel und stehen vor einer EcoVadis-Anforderung? Speziell für die Lebensmittelbranche haben wir unser Vorgehen unter EcoVadis-Beratung für die Lebensmittelindustrie zusammengefasst. In der kostenlosen Erstberatung zeigen wir Ihnen, welche Ihrer bestehenden Zertifikate und Prozesse die meisten Punkte bringen, und wie Sie eine drohende Auslistung sicher abwenden.
Zuletzt aktualisiert am .
Geschrieben von
Tim Keiler
Geschäftsführer
Häufige Fragen
Warum fordert der Lebensmittelhandel von seinen Lieferanten eine EcoVadis-Bewertung?
Lebensmittelketten stehen bei Lieferketten, Verpackung, Tierwohl und Klima unter besonderer öffentlicher und regulatorischer Beobachtung. Ihre eigenen Nachhaltigkeitsversprechen können sie nur halten, wenn die Lieferanten mitziehen. EcoVadis ist für den Handel das skalierbare Werkzeug, um tausende Lieferanten vergleichbar zu bewerten. Für Hersteller, Verarbeiter und Verpacker wird das Rating damit zur Listungsvoraussetzung.
Helfen IFS, BRCGS oder ISO 22000 bei EcoVadis?
Diese Lebensmittelsicherheits- und Qualitätssysteme sind etabliert und dokumentiert und lassen sich teilweise auf Management- und Umweltanforderungen übertragen. Ein IFS-Zertifikat punktet allerdings nicht automatisch. Es muss der passenden EcoVadis-Anforderung zugeordnet und mit Nachweisen belegt werden.
Wo verlieren Lebensmittel-Zulieferer bei EcoVadis typischerweise Punkte?
Drei Muster wiederholen sich in der Food-Kette. Verpackung und Abfall werden nur als Maßnahme dargestellt, nicht als messbares Ziel mit Kennzahl. Energie- und Emissionsdaten aus Kühlung und Produktion kommen ohne saubere Bilanzierungsmethodik, was im Umweltfeld Punkte kostet. Und Lieferketten-Risiken wie Rohstoffherkunft und faire Beschaffung werden gelebt, aber nicht als Richtlinie und Risikoanalyse dokumentiert.